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10 Tipps für den Alltag mit ADHS - Kindern
19.03.2017 10:27
Hilfe bei ADHS

Das Leben mit einem ADHS - Kind stellt viele Herausforderungen und gleicht einer Karussellfahrt - mal hoch, mal runter. Normale Erziehungsstrategien scheinen im Umgang mit ADHS Kindern und Jugendlichen nicht zu funktionieren und viele Eltern geraten häufig an den Rand eines Nervenzusammenbruchs und fühlen sich "ohnmächtig" und hilflos.

Das Leben mit einem ADHS - Kind gleicht einem typischen "Versuch - und Irrtum" - Leben - das, was heute funktioniert und gut klappt, kann morgen schon ganz anders sein. Da es nicht "die typische ADHS" gibt, gibt es auch nicht die "typischen Allheilmittel", die garantiert bei jedem Kind funktionieren. Alle typischen ADHS - Verhaltensweisen können sich in unterschiedlichen Situationen, in unterschiedlichen Ausprägungen in unterschiedlichen Symptombereichen zeigen.

Dennoch gibt es einige "Alltagstipps", die, individuell abgewandelt, bei Kindern und Jugendlichen mit ADHS gut funktionieren.

10 Tipps bei ADHS - Hilfe im Alltag bei ADHS Kindern

1. Ruhe, Ruhe, Ruhe

Kinder und Jugendliche mit ADHS stellen ihre Bezugspersonen vor viele Herausforderungen. ADHS Kinder wissen, noch mehr als andere Kinder, wie sie ihre Bezugspersonen "zur Weißglut" bringen können - auch, wenn sie es nicht "böse" meinen. Darüber hinaus sind besonders ADHS - Kinder anfällig und empfänglich für die "Unruhe" ihrer Umwelt und diese schwappt schnell auf die Kinder und Jugendlichen über.

Das oberste Gebot ist Ruhe, Ruhe, Ruhe.

Da dies aber nicht immer so einfach ist, bedarf es Ruhezonen für die Bezugspersonen. Schaffen sie sich eine Ruhezone und ziehen sie sich zurück, wenn Diskussionen oder Streitigkeiten zu viel werden und wenn sie merken, dass sie "anfangen zu kochen" - verschaffen sie sich ein "Ruhepolster".

2. Kurze, klare Ansage

"Mein Kind befolgt meine Ansagen nicht und macht nie das, was ich sage", ist eine Bemerkung, die ich nur zu oft höre. Machen sie KLARE, EINFACHE und KURZE Ansagen und sorgen sie dafür, dass diese auch ausgeführt werden - nicht einfach darauf verlassen, dass ihre Ansagen erledigt werden!

Kinder und Jugendliche mit ADHS benötigen mehr "Kontrolle" als andere Kinder und es muss darauf geachtet werden, dass ihre Ansagen auch erledigt werden.

Machen sie immer nur eine Ansage zur Zeit und wenn das klappt, steigern sie langsam auf zwei Ansagen.

"Ich möchte, dass du JETZT den Müll rausbringst"

"Ich möchte, dass du JETZT mit deinen Hausaufgaben anfängst"

3. nicht diskutieren

Kinder und Jugendliche mit ADHS sind Perfektionisten im Diskutieren und werden mit den Jahren immer perfekter :-) Lassen sie sich daher nicht auf Diskussionen ein - die werden sie verlieren :-)

"Bestehen" Kinder auf eine Diskussion, verlassen sie einfach die Situatione mit den Worten "ich diskutiere nicht über....", es wird erledigt...

4. Problemverhalten erkennen

Im Leben mit ADHS Kindern kommen Eltern, Lehrer, Erzieher oftmals an den Punkt, an dem sie "nur noch empfinden". "Mein Kind macht NUR NOCH Probleme", "mein Kind hört NIE auf mich", "es gibt NUR NOCH Probleme".

Kein Mensch dieser Welt zeigt NUR NOCH Probleme, aber die Empfindungen sind so. Hier hilft es, eine Problemanalyse zu betreiben um objektiv zu sehen, WO und in WELCHEN Situationen Kinder und Jugendliche WIRKLICH Probleme zeigen und in welchen Situationen wir einfach nur falsch "fühlen".

So können sie "echtes" Problemverhalten analysieren
Beobachtungsbogen "Problemverhalten"
problemverhaltenanalysieren.pdf [135 Kb]
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Beurteilung oppositionelles Verhalten
zeigt mein Kind aggressives Verhalten
beurteilungsbogenoppositionellesverhalten.pdf [123 Kb]
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5. auf positives konzentrieren

Um den "Negativkreislauf" zu durchbrechen oder ihn erst gar nicht entstehen zu lassen ist es wichtig, sich auf alles zu konzentrieren, was die Kinder und Jugendlichen "gut" machen - und es gibt eine Menge davon :-)

Konzentrieren sie sich eine Woche lang, nur auf die positiven Eigenschaften und Dinge, die die Kinder gut machen und schreiben sie alles auf - es wird ihren Blickwinkel ändern.

"Das lief heute gut"
Änderung des Blickwinkels
dasliefheutegut.pdf [258 Kb]
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6. eigene Auszeit

Es ist enorm wichtig, für die eigene Auszeit zu sorgen! Viele Eltern fühlen sich "nur noch" im Dienst ihrer Kinder und vergessen dabei, dass die eigene psychische Verfassung ausschlaggebend ist, für die psychische Verfassung der Kinder.

Suchen sie sich ein Hobby, gehen sie spazieren, treffen sie sich mit einer Freundin, suchen sie eine Selbsthilfegruppe für betroffene Eltern...machen sie sich eine Liste mit Dingen, die sie selber entspannen können.

7. Regeln und Konsequenzen

Ja, klare Regeln mit klaren Konsequenzen sind bei Kindern das A und O und insbesondere bei Kindern und Jugendlichen mit ADHS. Klare Regeln mit klaren Konsequenzen geben diesen Kinden Sicherheit, Orientierung und einen klar abgesteckten Rahmen, in dem sie sich frei bewegen können.

Soweit die Theorie :-)

In der Praxis ist es aber erfahrungsgemäß schwieriger, klare Regeln aufzustellen und noch schwieriger, klare Konsequenzen zu finden und vor allem durchzusetzen.

ADHS Kinder sind Meister darin, Regeln zu durchbrechen und sie nicht einzuhalten :-)

Nehmen sie sich den "Plan - Problemverhalten analysieren" - siehe oben und nehmen sie, aus dieser von ihnen erstellten Liste 1 Problem vor. "Ein Problem zur Zeit, eine Regel zur Zeit".

Überlegen sie sich nun eine Regel zu diesem Problemverhalten, die sie auf jeden Fall eingehalten haben möchten und überlegen nun eine Konsequenz dazu - WAS passiert, wenn die Regel nicht eingehalten wird?!

Üben sie mit ihren Kindern immer nur eine Regel zur Zeit mit einer Konsequenz zur Zeit - alles andere überfordert sie und ihre Kinder.

Regeln und Konsequenzen
regelnundkonsequenzen.pdf [211 Kb]
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8. Verstärkerpläne

ADHS Kinder und Jugendliche haben u.a Schwierigkeiten mit Motivation und Selbststeuerung. Hier haben sich Verstärkerpläne bewährt.

Verstärkerpläne dienen dazu, bei einhalten einer Regel oder erfüllen einer Anweisung, eine SOFORT - Belohnung in Form eines Stickers, Striches oder Smily zu vergeben. Die Kinder bekommen auf diese Weise ihre "Belohnung" sofort und bekommen ein direktes Feedback über ihre Leistung. Eine bestimmte Anzahl an "Belohnungsstrichen, Smilys..." werden gegen eine "echte" Belohnung eingetauscht, die vorher mit dem Kind zusammen vereinbart wurde.

Nach und nach werden die Verstärkerpläne weggelassen.

Dennoch muss man sich vorher mit der Thematik der Verstärkerpläne befassen, da auch hier Gefahren lauern :-)

9. lernen sie, fünf gerade sein zu lassen

Das Leben mit ADHS Kindern ist eine Karussellfahrt und das Verhalten der Kinder kann von Tag zu Tag total unterschiedlich sein. Um selber entspannter zu werden und zu sein ist es notwendig zu lernen, fünf gerade sein zu lassen. Entscheiden sie je nach Situation, welche Regeln sie garantiert befolgt haben möchten und sorgen sie dafür, dass die Kinder sich daran halten. Entscheiden sie aber auch, WANN sie über welches Verhalten "hinwegsehen können"....

10. suchen sie sich Hilfe

Ich erlebe immer wieder, dass es Eltern peinlich ist, ein Elterncoaching zu machen, ein Elterntraining bei ADHS zu absolvieren oder auch eine Selbsthilfegruppe aufzusuchen.

Sich besonders im Fall von ADHS Hilfe zu suchen hat rein gar nichts mit Versagen und "Unfähigkeit" zu tun! In meinen Augen hat dieser Weg der Hilfe suchen etwas mit Verantwortung zu tun - Verantwortung für das Kind UND Verantwortung für sich selber!

Es gibt einige gute Selbsthilfegruppen zum Erfahrungsaustausch oder auch der Weg zum Kinderpsychologen kann hilfreich sein. Was in keinem Fall fehlen darf, da sind sich Ärzte und Psychologen einig, ist ein Elterntraining bei ADHS.

In einem Elterntraining bei ADHS werden alle grundlegenden Dinge besprochen wie Erziehung, Schule, Hausaufgaben, Entspannungszeiten, oppositionelles Verhalten u. ä

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