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Legasthenie oder LRS - wichtiger aber oft unberücksichtigter Unterschied
12.02.2017 11:11

Die Begriffe Legasthenie und LRS, also Lese - Rechtschreibschwäche, werden oft für die gleiche Tatsache genutzt - die Tatsache, dass Schwierigkeiten mit dem Lesen oder/und Schreiben bestehen. Doch eine Legasthenie und eine LRS sind nicht das Gleiche und die Unterscheidung ist in Bezug auf eine sinnvolle Förderung dieser Kinder/Jugendlichen extrem wichtig.
 

Legasthenie und LRS ist nicht das Gleiche

Es kommt immer wieder vor, dass legasthene Kinder und Jugendlichen mit einem reinen Rechtschreibtraining "malträtiert" werden und nennenswerte Erfolge ausbleiben. Für betroffene Kinder/Jugendlichen und auch für die Eltern sind die ausbleibenden Erfolge und Fortschritte frustrierend, die Kinder bekommen ein Gefühl des Versagens, eventuell stellen sich psychische Auffälligkeiten ein und eine Schulverweigerung ist nicht selten.

Eine Legasthenie ist oft anlagebedingt - hier sind die Gene "schuld". Es ist enorm wichtig, eine Legasthenie frühzeitig - also im Grundschulalter zu erkennen, um individuelle Förderungen zu ermöglichen und die oben genannten "Versagensgefühle" gar nicht erst aufkommen zu lassen. Zudem benötigt ein spezielles Legasthenietraining Zeit und Geduld, und die sollte man nicht vergeuden, in dem eine Legasthenie zu spät erkannt wird.

Auffälligkeiten im Kindergarten und der Grundschule sind z. B Unaufmerksamkeiten und Konzentrationsschwächen im Zusammenhang mit Symbolen - also immer dann, wenn Buchstaben und/oder Zahlen ins Spiel kommen. Kinder/Jugendliche und natürlich auch Erwachsene mit einer Legasthenie verfügen über "veränderte Wahrnehmungen", zu die veränderten Abspeicherprozessen im Gehirn führen und somit natürlich zu veränderten "Endresultaten".

Bildgebende Verfahren konnten zeigen, dass legasthene Menschen

- über den Gehirnarealen, die für die Sprachwahrnehmung/Verarbeitung zuständig sind über geringere/verzögerte Aktivitäten verfügen

- eine Region der linken Gehirnhälfte deutlich geringere Aktivitäten zeigt, wenn Worte gelesen werden

- die Areale für das Lernen von Buchstaben - Laut - Zuordnungen deutlich verringert sind.

In einem Legasthenietraining sollten die "veränderten" Sinneswahrnehmungen ebenso geschult werden, wie die Aufmerksamkeit und natürlich schreiben und lesen. Ein legasthener Mensch benötigt somit ein "rund - um - Programm" und das alleinige Üben an den Fehlern und/oder Rechtschreibfehlern führt selten zum Erfolge und stresst die Kinder zusätzlich. Da die Aufmerksamkeit der Kinder im Zusammenhang mit Symbolen drastisch abnimmt, macht ein reines Rechtschreibtraining keinen wirklichen Sinn.

 

LRS

Bei einer LRS - Lese/Rechtschreibschwäche liegen weder eine genetische Disposition noch eine Wahrnehmungsstörung vor. Eine LRS ist, durch welche Umstände auch immer erworben und es "fehlt" hier einfach an Übung, Training, Regelwissen. Im Fall einer LRS ist ein "reines" Lese - Rechtschreibtraining, individuell auf das Kind abgestimmt sinnvoll und angezeigt. Eventuell ist auch hier die psychologische Betreuung sinnvoll.

Unterscheidung Legasthenie / LRS  

 

Hier finden sie eine Hilfestellung um als Elternteil "abschätzen" zu können, ob es sich eventuell um eine Legasthenie oder eine LRS handelt. Es ist nur ein grober Anhaltspunkt, da noch einige andere Dinge hier mit einfließen

Unterscheidungshilfe für Eltern
Legasthenie oder LRS
unterscheidungshilfefreltern.pdf [186 Kb]
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Da es für die Diagnostik und auch die "Behandlung" einer Legasthenie und der LRS festgelegte Richtlinien gibt, finden sie hier die sogenannten "S3 Leitlinien zur Diagnostik und Behandlung mit Lese und/oder Rechtschreibstörung. Diese Leitlinien können Eltern helfen zu beurteilen, ob ihre Kinder nach einem festgelegten Standart diagnostiziert, bzw getestet wurden.

Sollten sie sich nicht sicher sein, ob ihre Kinder optimal und nach dem festgelegten Standart getestet worden sind und/oder ob das in vielen Schulen angebotene Legasthenietraining wirklich das Richtige ist, suchen sich Hilfe und fragen sie einen Lerntherapeuten. Das Wichtigste, vor allem bei einer Legasthenie ist die frühzeitige Hilfestellung für das Kind mit einer individuell angepassten Trainingseinheit. Nur so können eventuell entstehende psychische Auffälligkeiten vermieden werden.

Und NEIN, "es wächst sich nicht einfach raus" !

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