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Massenabfertigung in schulischen Legasthenieförderkursen ist unwürdig
11.03.2017 12:27
individuelles Legasthenietraining

Legasthenie/LRS ist ein individuelles Erscheinungsbild individueller "Lernbaustellen". Diese individuellen "Lern - und Begreifensbaustellen" müssen durch individuelle pädagogische Tests herausarbeiten und ausfindig machen, um KURZ VOR der Baustelle ansetzen zu können, die Baustelle zusammen durchqueren zu können und individuelle Hilfestellungen gewähren zu können.

Diesen Prozess kann sich ebenso als Treppe vorstellen - "fehlen die unteren Stufen wird es schwierig, die obersten Stufen zu erreichen".

Ebenso muss herausgefunden werden, welche Wahnehmungen im Fall der Legasthenie "verändert" sind und "nicht optimal arbeiten" - visuell, auditiv, vestibulär, taktil, Tiefenwahrnehmung. Es macht wenig Sinn, Schulstoff aufarbeiten zu wollen, wenn nicht an den "veränderten" Wahrnehmungen gearbeitet wird - ohne Training bleiben diese Wahrnehmungen weiterhin verändert.....

Um all diese Dinge gewährleisten zu können ist eine Gruppengröße von maximal 4 Kindern/Jugendlichen angezeigt. In einem Training für legasthene Menschen kann man unmöglich über "Masse" gehen da man sonst weder die Chance hat, an den individuellen Bausteinen oder Treppenstufen zu arbeiten, noch die Möglichkeit hat, veränderte Wahrnehmungen zu trainieren geschweige denn, individuelle Hilfestellungen geben kann.

Wenn ich nun immer wieder höre, dass sogenannte schulinterne Legasthenieförderkurse mit einer Teilnehmerzahl von 10 - 19 Kindern aufwarten, fange ich an nachzudenken....

Ich denke nach über das Recht dieser Kinder individuell gefördert zu werden...

Ich denke nach über die Lehrkraft, die unmöglich bei dieser Gruppengröße an jeder einzelnen Baustelle, Treppenstufe arbeiten kann....

Ich denke nach über die erforderlichen individuellen Wahrnehmungsförderungen, die bei dieser Gruppengröße und vielleicht aus durch den Kenntnisstand der Lehrkraft wohl nicht erfolgen....

Ich denke nach über die Chance der Kinder in diesen sogenannten Legasthenieförderstunden....

Je länger ich über all diese Dinge nachdenke, komme ich zu dem Entschluss, dass es sich hierbei um eine Massenabfertigung in den schulinternen Legasthenieförderkursen handelt und keines der teilnehmenden Kinder so jemals zu seinem Recht kommen wird und die Chancen eines jeden Kindes, SEINE Baustellen abzuarbeiten und seine Treppenstufen aufbauen zu können gleich NULL sind.

Wenn Schulen und Lehrkräfte behaupten, dass all die Schwierigkeiten, die diese Kinder haben auf unzureichendem üben berühen und einfach gelöst werden können, wenn man ihnen einfach weitere Aufgaben aus dem JETZT aktuellen Deutschkurs präsentiert, frage ich mich, warum so viele Kinder über viele Jahre ihre Schwierigkeiten haben und sich keine wirkliche, echte Verbesserung einstellt.....

Das, anscheinend gängige Verfahren, einfach MEHR Aufgaben zu präsentieren funktioniert durchaus - ABER nur dann, wenn es sich um eine erworbene LRS handelt, aber niemals bei einer Legasthenie. Und selbst hier ist eine Gruppengröße von 10 - 20 Kindern ziemlich inoptimal, da auch diese Kinder, jeder für sich, SEINE individuellen Baustellen hat.

Wenn schulinterne Legasthenieförderkurse funktionieren sollen und alle Kinder zu ihrem Recht kommen sollen - UND DAS STEHT IHNEN ZU - müssen die Teilnehmerzahlen dieser Förderkurse dringend reduziert werden und es muss dringend in das Bewusstsein einer jeder Förderkraft, dass es nicht die eine LRS gibt und das es sehr wohl eine Legasthenie aufgrund veränderter Wahrnehmungen gibt - und diese Wahrnehmungen müssen mittrainiert werden.

Ich freue mich immer wieder über Berichte von Eltern, die von einem schulinternen Förderkurs erzählen, der dies alles wirklich berücksichtigt. Dies zeigt nämlich, dass Schulen sehr wohl in der Lage sind, einen optimalen Förderkurs für Legasthenie UND LRS auf die Beine zu stellen und dass es nicht unmöglich ist, diese Kinder individuell zu fördern - dieses Recht auf individuelle Förderung ist im Übrigen im Erlass des Kultusministeriums verankert!

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