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so sollte schulischer Förderunterricht bei Legasthenie/LRS aufgebaut sein
08.03.2017 15:14
Förderunterricht Legasthenie

Legasthenen Kinder steht ein Förderunterricht zu. Viele Schulen bieten diesen LRS - Förderunterricht selber an, einige Schulen bieten ihn nicht an und die Kinder müssen ggf eine außerschulische Förderung bei Legasthenie aufsuchen.

Doch wie sollte ein schulischer Förderunterricht bei Legasthenie/LRS aufgebaut sein, damit er diesen Kindern helfen kann, ihre eigenen "Baustellen" zu beseitigen? Reicht es, einfach noch mehr vom Deutschunterricht zu machen und diesen Kindern einfach zusätzliche Arbeitsblätter zur Verfügung zu stellen?

Förderunterricht bei Legasthenie und LRS

In vielen Bundesländern stehen für einen LRS-Förderunterricht keine zusätzlichen Stunden zur Verfügung und somit wird die Organisation eines Förderkurses für diese Schulen bereits zum Kraftakt.

Haben die Schulen dann endlich Stunden zur Verfügung, bleibt die Frage, wer von den Lehrkräften den oftmals ungeliebten Förderkurs geben soll und wann dieser Kurs für die legasthenen Kinder stattfinden soll. Oftmals werden diese Förderkurse in die 7. Schulstunde geschoben und bei Krankheit oder anderen Unannehmlichkeiten sind dies auch die ersten Stunden, die ausfallen.

Denkt man nun daran, das dieser schulische Förderkurs für viele Kinder die einzige Möglichkeit darstellt, ihre "Baustellen" abzuarbeiten und diese Kinder auf einen regelmäßigen, empathischen Legasthenieförderkurs angewiesen sind, wird klar, wie bedeutend diese Legasthenieförderstunden eigentlich sind.

so sollte ein Förderkurs aufgebaut sein

Um allen Lehrkräften, die diesen Artikel zufällig lesen den Wind aus den Segeln zu nehmen - Eins vorweg! ALLE Tipps und Hinweise, die ich hier schreibe stammen aus einer regulären Lehrerfortbildung des Querenburg-Instituts von Frau Rattay !!!

Der Förderunterricht sollte

- regelmäßig stattfinden

- zu einer Zeit stattfinden, zu der die Schüler sich noch konzentrieren können ( also sicher nicht in der 7.Stunde )

- er sollte von erfahrenen, LRS geschulten Lehrkräften durchgeführt werden

- er sollte von motivierten und verständnisvollen Lehrern durchgeführt werden

- die Zeit des "konzentrierten arbeitens" an den INDIVIDUELLEN Baustellen sollte nicht länger als 30 Min dauern - die restliche Zeit soll mit spaßbringenden, motivierenden Spielen verbracht werden (gerne auch in Bezug auf Legasthenie)

- es ist Rücksicht auf die jeweile Konzentrationsspanne der Schüler zu nehmen. Schüler A schafft 30 Min, Schüler B aber nur 10 Min

- es sollten nie Entspannungsübungen und Konzentrationsübungen fehlen

- es soll ein empathischer und verständnisvoller Umgang herrschen

- es soll einen ritualisierten Einstieg in die Förderstunde geben, z. B Entspannungstraining

Die Förderkursschüler müssen individuell getestet werden um an ihren individuellen Bausteinen zu arbeiten. Findet der Legasthenieförderkurs mit Schülern der 5. Klasse statt und es stellt sich heraus, dass ein Schüler noch Baustellen der 2. Klasse zu bewältigen hat, dann ist genau hier - in der 2. Klasse - anzusetzen und zwar mit Lernstoff, den der Schüler bereits kann!

Es macht keinen Sinn, den "neuen" Schulstoff mit zusätzlichen Arbeitsblättern in ihn "rein trimmen zu wollen", wenn hier noch "alte Baustellen" aufzuweisen sind.

Der Legasthenieförderunterricht muss somit immer individuell für jeden Schüler vorbereitet werden und er muss "kleinschrittig" sein. Eine Baustelle wird solange bearbeitet, bis diese Baustelle keine Baustelle mehr ist. Hier ist explizit darauf zu achten, dass immer nur EINE Baustelle zur Zeit bearbeitet wird und dann auch NUR diese Baustelle in den kommenden Arbeiten bewertet wird - alles andere bleibt in Deutscharbeiten unberücksichtig.

Jeder noch so kleine Fortschritt wird gelobt und sei er noch so klein! Klein ist er nämlich nur für Menschen, die schreiben und lesen können aber für einen Legastheniker kann jeder kleine Schritt riesengroß sein!

Darüberhinaus wird im Förderunterricht nur an einer Baustelle gearbeitet, nicht an allen Baustellen gleichzeitig und es wird die Eigenkorrektur eingeübt, dies aber ebenfalls nur an einer Baustelle. Beispiel: Hans hat enorme Probleme mit der Großschreibung. Also werden mit Hans solange Übungen der Großschreibung gemacht, bis sie einigermaßen sitzt. Hans wird angehalten seine Deutscharbeiten NUR auf die Großschreibung hin zu kontrollieren und auch nur diese wird bewertet ! So lernen die Kinder langsam aber sicher, sich selber zu korrigieren und zu kontrollieren.

Um legasthenen Kindern ihre Selbstsicherheit und das Selbstvertrauen zurück zu geben, was leider oftmals verloren geht, werden eine Zeitlang mit GRÜN alle richtig geschriebenen Worte angestrichen und NICHT in ROT alle Fehler - so ändert sich nach und nach der Blickwinkel "von ich kann nichts" auf "Mensch, ich mach ja doch was richtig".

 

 

wie sollte Fördermaterial aufgebaut sein

Nicht jedes Material eignet sich für einen Legasthenieunterricht und nicht jedes Material ist für jeden Schüler geeignet.

- vernünfige Struktur

- Druckschrift OHNE Schnörkel und keine Schreibschrift - auch in Klasse 5 nicht

- Material, dass alle Sinne anregt, z. B Knete, Rasierschaum, Spiegel, Silben schwingen, rhythmisches Mitsprechen

- kleinschrittig

- übersichtlich

- Abstufung der Schwierigkeitsgrade

- selbständiges Arbeiten ermöglichen

- genau dort ansetzend, wo es hängt

Dies sind nur einige Beispiele, wie ein guter Förderunterricht bei Legasthenie/LRS sein sollte, in der schulischen Förderung wie auch in der außerschulischen Förderung.

Alle Tipps und Anmerkungen stammen aus einer Lehrerfortbildung.

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