Was Kinder in den ersten drei Jahren können sollten

Kinder sind keine Computer sondern individuelle Lebewesen, die sich unterschiedlich und individuell entwickeln. Jedes Kind hat seine „Genetik“, seine Umweltvorgaben und seine Lebensgeschichte. Daher ist es nicht empfehlenswert, Kinder an Hand einer statischen Tabelle, WASS sie WANN zu können haben zu beurteilen.

Dennoch sind diese Tabellen wichtige und hilfreiche Hilfsmittel, um frühzeitig erkennen zu können, ob und wann ein eventueller Handlungsbedarf vorliegt. Somit macht es sehr wohl Sinn, sich an den Tabellen zu orientieren, WAS ein Kind wann SPÄTESTENS können sollte. Diese Tabellen geben ein „Mindestmaß“ an „Können“ zu einem bestimmten Zeitpunkt an, und dies ist durchaus legitim. Ohne diese Anhaltspunkte könnte nicht feststellen, ob und wann ein eventueller zusätzlicher Förderbedarf besteht und in welche Richtung diese Förderung gehen soll.

Hier finden sie wichtige ( keine vollständigen )grundlegende Fähigkeiten und Fertigkeiten von 0 – 36 Monaten:

Neugeborene:

  • Reflexgesteuerte „Nahrungssuche“
  • Reflexgesteuerte Bewegungen die noch keine willkürlichen Handlungen ermöglichen
  • Gesichter betrachten
  • Lächeln erwidern
  • Mit den Augen Finger verfolgen ( bis zur Mittellinie )
  • Reagiert auch Geräusche
  • Gibt Laute von sich
  • Hebt den Kopf
  • Lächelt spontan

 

3 Monate bis 9 Monate:

  • Lernen eines Schlaf – Wachrhythmus
  • Kopf / Schulter anheben ( 3 M )
  • Folgt dem Finger über die Mittellinie
  • Fängt mit ca. 3 – 4 M an, eine Rassel zu berühren und zu greifen
  • Kopfkontrolle
  • Auf gespreizte Hand stützen und Unterarme anheben ( 4 M )
  • Mit Unterstützung sitzen ( 5 – 6 M )
  • Schaut sitzend fallenden Dingen nach
  • Dreht sich Geräuschquellen zu
  • Dreht sich um
  • Fängt an zu fremdeln
  • Spielt verstecken ( 7 – 9 M )
  • Greift Objekt ausserhalb seiner Reichweite ( 6 M )
  • Nimmt zwei Bausteine
  • Ißt Keks, Banane alleine ( 6,5 – 8,5 M )
  • Sitzt ohne Hilfe ( 6 – 9 M )
  • Steht mit festhalten ( 9 M – 10,5 M )
  • Krabbeln ( 6 M – 9 M )
  • Gegenstände mit Daumen und Zeigefinger anfassen ( 9 M )

Das Zusammenspiel von Hand und Auge und Bewegung wird immer besser und korrekter. Die Kinder quitschen und lallen und üben so die erste Kommunikation. Es ist wichtig, dass die Umwelt adäquat auf die Zeichen des Kindes reagiert, damit das Baby ein Sicherheitsgefühl entwickeln kann. Dennoch ist Konsequenz und „Gehorsam“ auch in diesen jungen Jahren erforderlich und sehr wohl möglich, solange man konsequent, mit Handzeichen und Mimik sowie liebevoll reagiert.

Die Sprachentwicklung ist bereits in „vollem Gange“ und es ist für das Erlernen der Sprache von Bedeutung auf „Verniedlichungen“, „Gag – Gag und Piep – Piep“ zu verzichten und in ganzen Sätzen mit dem Kind zu sprechen. Es ist überhaupt kein Problem für Kinder von Anfang an, eine normale Sprache in ganzen Sätzen zu erlernen!

Kinder in diesem Alter benötigen bereits viele, strukturierte Reize, um ihr Denken und die Intelligenzentwicklung zu fördern. Menschen lernen nur die Dinge, die sie machen dürfen, anfassen dürfen, riechen dürfen, erleben dürfen. Es nutzt einem Kind nichts im Verständnis, wenn wir das Wort „kalt“ benutzen, dass Kind aber nicht weiß, was kalt ist.

Kinder in diesem Alter leben im Hier und Jetzt und sind egozentrisch und verstehen nicht, warum sie bestimmte Dinge einfach nicht dürfen. Dies ändert sich allerdings, wenn entsprechende Nervenbahnen im Gehirn angelegt sind. Bereits Kinder mit ein paar Monaten können sehr gut unterscheiden, bei wem sie etwas dürfen und bei wem nicht.

 

9 Monat – 36 Monat:

  • Krabbeln wird besser und schneller
  • Die ersten Schritte kommen
  • Läuft an Möbeln ( 10 – 12 M )
  • Trinkt aus dem Becher ( ab 10 M )
  • Einwortsatz ( ab 9 M )
  • Läuft rückwärts ( 16 M – 19 M )
  • Macht Hausarbeiten nach ( 15 M – 20 M )
  • Benutz Löffel und Kuchengabel mit wenig kleckern ( 16 M – 20 M )
  • Macht Wünsche deutlich OHNE zu schreien ( 11,5 M – 13 M )
  • Kritzelt ( 16 M )
  • Baut Turm aus 2 Bausteinen ( 15 M – 18 M )

Weniger als 50 Worte AKTIV genutzt im Alter von 24 Monaten, weniger als 100 Worte mit 36 Monaten gelten als „Late Talker“. Hier liegt eine deutlich verlangsamte Sprachentwicklung vor. Die Hälfte der Kinder kann den Rückstand bis zum 3 LJ aufholen, für die andere Hälfte gilt ein erhöhtes Risiko für Sprachentwicklungsstörungen, die sich dann auch meistens in der Schule bemerkbar machen.

Eine Sprachtherapie sollte veranlasst werden, wenn Kinder mit 2 J über einen sehr geringen aktiven Sprachschatz verfügen und Kinder im Alter von 3 J kaum verständlich sprechen, nuscheln, Buchstaben auslassen oder vertauschen. Viele Eltern verstehen ihre Kinder sehr gut und sind verwundert, wenn ihnen von Erziehern oder Tagesmüttern nahegelegt wird, einen Arzt aufzusuchen. Dennoch dürfen diese Sprachprobleme nicht auf die leichte Schulter genommen werden.

  • Erledigt einfache Aufträge ( 17 M )
  • Zieht sich aus ( 17, 5 M )
  • Zieht sich an ( 2, 5 J )
  • Kennt seine Körperteile ( 18 M )
  • Befolgt zwei Anweisungen ( ab 21 M )
  • Hüpft auf der Stelle ( 2,5 J )
  • Fährt Dreirad und Bobbycar und Tretroller
  • Spielt mit anderen ( ab 2 J )
  • Zeichnet eine Linie ( ab 2, 5 J )
  • Benennt Bilder im Bilderbuch ( ab 2 J )
  • ausmalen
  • basteln
  • mit anderen Spielen
  • kreativ sein
  • klettern, balancieren, schaukeln, rutschen
  • Jacken, Schuhe dorthin legen und hängen wo sie hingehören
  • mit Besteck essen ( geht ab 2 J )
  • Essensregeln beherrschen ( nicht schmatzen, nicht mit den Fingern essen, nicht ausspucken ) ( ab 2 J - nicht ausspucken früher )

All diese Fähigkeiten benötigen gute, optimal aufeinander abgestimmte Sinneswahrnehmungen – visuelle Wahrnehmung, auditive Wahrnehmung, vestibuläre Wahrnehmung, taktile – kinesthätische Wahrnehmung. All diese Fähigkeiten und Fertigkeiten sind die ersten Bausteine um später Lesen, Schreiben, Rechnen, Planen und organisieren zu können und im sich in der Welt zurecht zu finden. Die ersten Monate im Leben eines Kindes werden von frühkindlichen Reflexen gesteuert und geregelt. Diese sollten in den ersten 6 - 9 Monaten integriert sein, ausser einer, der darf bis zum 3, 5 J noch mit wirken :-)